Sächsische Landesstiftung Natur und Umwelt
Margita Herz, Leiterin ÖA
Neustädter Markt 19
01097 Dresden
E-Mail: oeffentlichkeitsarbeit@lanu.de
URL: www.lanu.de
Tel. 0351/81416-752, Fax -775
Fragen an den Stiftungsdirektor Dietmar Kammerschen
Die Sächsische Landesstiftung Natur und Umwelt (LaNU) ist die einzige öffentlich-rechtliche Stiftung in Deutschland, die die ihr zugedachten Aufgaben in dieser Organisationsform erfüllt. Unter ihrem Dach agieren Akademie, Naturschutzfonds und Nationalparkzentrum gemeinsam für den Natur- und Umweltschutz im Freistaat Sachsen.
Hier darf ich Sachsens Umweltminister und Stiftungsrats-vorsitzenden Prof. Roland Wöller zitieren, der gesagt hat, dass es eine "gute Idee war, der Stiftung diese Rechtsform zu geben. Die Entscheidung bedeutet für alle Bürger die Möglichkeit, sich unmittelbar am Natur- und Umweltschutz zu beteiligen. Die Chance wurde von Anfang an genutzt, und die Möglichkeiten werden permanent erweitet".
1998 fing die Stiftung mit einer Hand voll Mitarbeitern an. Inzwischen beschäftigt sie mehr als Fünfzig (darunter Projektmitarbeiter, Zivis, FÖJler, Azubis). Die einzelnen Bereiche haben ihre Aufgabenbreite und ihre Leistungsfähigkeit enorm gesteigert. Wir haben von Anfang an den Schwerpunkt auf die Zusammenarbeit mit vielen Partnern gesetzt, wovon heute alle profitieren. Das "Netzwerk Umweltbildung" z.B. – eine Initiative und Gründung der Stiftung – verbindet mehr als 200 Vereine, Verbände sowie private Akteure auf dem Gebiet der Umweltbildung. Ob Fachleute, Naturschützer oder interessierte Bürger und Schüler - sie alle werden auf den jährlich stattfindenden Veranstaltungen und in den Umweltbildungsangeboten zusammengeführt und für Umweltthemen sensibilisiert.
Mehr als 100.000 Bürger haben in den vergangenen zehn Jahren diese Möglichkeit im Rahmen unserer Veranstaltungsangebote der Akademie genutzt. Die Teilnehmerzahl der Akademieveranstaltungen konnte in den letzten fünf Jahren fast verdreifacht werden. Die Einsätze der zwei Umweltmobile haben sich in den letzten acht Jahren mehr als verdoppelt. Sachsens Schüler haben hiermit die Möglichkeit, direkt in der Natur Zusammenhänge über den Natur- und Umweltschutz zu "erforschen".
Der große Bereich der Umweltbildung bzw. der Bildung für Nachhaltigkeit wird sachsenweit mit einer Vielzahl von Kooperationspartnern vernetzt gestaltet. Durch ein durch die Stiftung entwickeltes Qualitätsmanagement wird es den Umweltbildungseinrichtungen möglich, sich zertifizieren zu lassen. Für einzelne große Projekte arbeiten wir mit den bekannten überregionalen Stiftungen Deutschlands zusammen: darunter sind die Deutsche Bundesstiftung Umwelt oder die Allianz Umweltstiftung zu nennen. Die Kooperation der Stiftung mit den Nachbarn Sachsens, mit Polen und Tschechien ist ein großes Thema. In zahlreichen durch die EU geförderten Projekten werden hierbei viele Menschen zusammengeführt und für die Sache der Natur begeistert. Kooperationsvereinbarungen zu Umweltthemen bestehen heute mit Polen sowie zwischen Dresden, Breslau (Polen) und Lemberg (Ukraine) sowie mit Tschechien und aus jüngster Zeit auch mit Ungarn und dem Fürstentum Monaco. Auch Naturschutzprojekte, die über den Naturschutzfonds gefördert werden, sind immer nur mit Partnern möglich, sei es die Einrichtung eines Lehrpfades in einer Bergbaufolgelandschaft oder die Erhebung von Standorten von gefährdeten Arten.
Wir müssen das Bewusstsein für die Natur und unsere Umwelt sensibilisieren und künftige Generationen darauf vorbereiten, mit den natürlichen Ressourcen der Welt, in der wir leben, verantwortungsvoll und so sparsam wie möglich umzugehen. Hier setzt die Stiftung an. Sie bringt die Themen unter anderem in Schulen und Kitas und vermittelt Einblicke, die Chancen für eine zukunftsverträgliche Entwicklung ermöglichen. Sachsen hat einen Nationalpark mit angrenzendem Schutzgebiet. Das NationalparkZentrum Sächsische Schweiz in Bad Schandau, eines der modernsten Besucherzentren Deutschlands, konnte seit Bestehen (2001) rund 160.000 Besucher verzeichnen und hat rund 2000 Veranstaltungen zu Themen der Region durchgeführt.
Viele Bürger, aber auch viele Kinder aus ganz Sachsen sind in verschiedenen Aktionen zum Schutz der Artenvielfalt (Biodiversität) eingebunden. Aktionen des Naturschutzfonds wie die Aktion „Fledermaus komm ins Haus“, die seit sechs Jahren läuft, begeistern Jung und Alt. Fast 700 Fledermausplaketten wurden an Bürger oder Institutionen vergeben, die z.B. ihre Dachböden für eine Ansiedlung dieser Säugetiere eingerichtet haben. Die Haselmaus- und Glühwürmchenaktion sind ebenfalls solche Mitmachaktionen, die zudem einen bedeutenden wissenschaftlichen Erkenntniszuwachs mit sich bringen.
Der Naturschutzfonds der Stiftung hat derzeit rund 1.400 Hektar naturschutzbedeutsame Flächen erworben, die eine einzige Aufgabe erfüllen sollen, das Leben gefährdeter Arten wieder zuzulassen und zu sichern. Auch viele Kleinprojekte (273 wurden mit 2,5 Mio € gefördert) von Antragstellern, die sonst keine Gelegenheit haben, gefördert zu werden, wurden aus dem Naturschutzfonds unterstützt.
Die Stiftung hat im Jahr 2004 einen Dokumentarfilm, "Comeback für Lachs und Luchs" (2004), über die Nationalparkregion Sächsisch-Böhmische Schweiz, produziert, der von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt freundlicher Weise unterstützt wurde und so gut angekommen ist, dass ihn inzwischen rund 15 Mio Zuschauer weltweit gesehen haben. Er wurde auch allen sächsischen Medienanstalten (Ausleihmöglichkeit für Schulen) zur Verfügung gestellt und kann für fachübergreifenden und fächerverbindenden Unterricht genutzt werden. 2007 wurde der Gottfried Semper Architekturpreis gemeinsam mit der Sächsischen Akademie der Künste erstmals vergeben. Es ist wohl der einzige Architekturpreis dieser Güte (Preisgeld 25.000 €), der neben der Baukunst insbesondere auch ökologische Kriterien würdigt. Er wird alle zwei Jahre vergeben. Das Preisgeld stiftet das Unternehmen Vattenfall, mit dem wir auch bei Bergbaufolgeflächen, die für den Naturschutz vorgesehen sind, zusammen arbeiten.
Die Herausforderungen der Zeit sind nur zu bewältigen, wenn ein mehrheitlicher Konsens in der Gesellschaft zu notwendigen Entscheidungen hergestellt werden kann. Voraussetzung dafür ist, dass die Bürger über die Zusammenhänge informiert sind. Zusammenhänge erklären, für Zukunftsfragen sensibilisieren, Engagement initiieren, eine breite Öffentlichkeit erreichen, das sind die zentralen Aufgaben der Stiftung.
Auch in Zukunft wollen wir dem Bürger ein facettenreiches Angebot unterbreiten. Inhaltlicher Schwerpunkt werden sowohl regional als auch überregional zwei große Themen sein: Der Klimaschutz und die biologische Vielfalt. Hier wollen wir die Herausforderungen unserer Zeit annehmen und uns aktiv für eine zukunftsverträgliche Entwicklung unserer Umwelt einsetzen. Das Engagement vieler ehrenamtlicher Natur- und Umweltschützer, Partner, Unterstützer oder Sponsoren wird dabei immer wichtiger. Ich möchte an dieser Stelle allen Mitstreitern herzlich für ihren unermüdlichen Einsatz danken - und sie ermuntern, sich weiter zu engagieren.
Dresden, April 2008