Rede von Herrn Staatsminister Frank Kupfer zur Eröffnung des
2. Sächsischen Landschaftstages im Landkreis Nordsachsen am 05.11.2009
?Es gilt das gesprochene Wort!"
Anrede,
kurz vor dem 20. Jahrestag der friedlichen Revolution stehen die zweiten Sächsischen Landschaftstage für mich vor allem unter dem Eindruck dessen, was sich seit dem Sturz des SED-Regimes in Natur und Landschaft getan hat.
Ohne der Dokumentation vorgreifen zu wollen ? die meisten werden sich noch daran erinnern, dass wir 1989 vor den traurigen Hinterlassenschaften einer vierzigjährigen, völlig verfehlten, ja eigentlich gar nicht vorhandenen, Umweltpolitik standen: verschmutzte Luft, verunreinigte Gewässer und Böden. Vor allem der rücksichtslose Kohleabbau hatte massive Umweltauswirkungen zur Folge. Auch die Region Delitzsch kann ja ein Lied davon singen.
Damals stand die Rekultivierung an allerletzter Stelle. Für uns steht sie heute an erster. Die größte Landschaftsbaustelle Europas mausert sich gerade zum größten künstlichen Seengebiet unseres Kontinents. Dort, wo sich einst Abraumbagger in die Erde gruben, plätschern schon erste Wellen an neu modellierten Ufern. Sachsen wird nach der Sanierung der Braunkohlebergbauflächen um nahezu 50 Seen reicher.
Der Freistaat wird sanierte Gewässer mit besonderer touristischer, aber auch wasserwirtschaftlicher Bedeutung von der LMBV übernehmen. Das gibt den Investoren hoffentlich Rückenwind bei der Erschließung der neuen Landschaften.
Dabei wird es jedoch darauf ankommen, diese für Mensch und Natur gleichermaßen gut zu nutzen. Die Region, die sich rechtzeitig gemeinsam mit den Akteuren vor Ort eigene regionale Ziele definiert und zusammen umsetzt, wird sicher bei der künftigen Nutzung auch weniger Konflikte haben. Sie werden heute Vormittag im ersten Themenblock ja noch Gelegenheit haben, Ihre Erfahrungen dazu auszutauschen.
Meine Damen und Herren,
Naturschutz heißt nicht unbedingt nur Eule und Betretungsverbot. Gerade der dritte Themenkomplex Ihrer Tagung greift mit dem Thema ?Schutz durch Nutzung" eine Möglichkeit auf, die künftig immer stärkere Bedeutung erlangen wird.
Streuobstwiesen und deren wirtschaftliche Nutzung sind ein exzellentes Beispiel dafür, wie Naturschutz mit wirtschaftlicher Wertschöpfung verknüpft werden kann. Gepflegte und genutzte Streuobstwiesen erhalten Lebensräume für Tiere und Pflanzen. Gleichzeitig wird ein gesundes Lebensmittel erzeugt, das zur regionalen Wertschöpfung beitragen kann.
Sehr geehrte Damen und Herren,
so ein Miteinander muss uns auch an anderen Stellen gelingen. Ich helfe gern dabei, unterschiedliche Interessen und Wünsche miteinander in Einklang zu bringen. Deshalb habe ich auch die Schirmherrschaft für diesen Landschaftstag übernommen.
Im Alltag blenden wir ja häufig die Belange von Natur und Umwelt aus. Das ist erst einmal auch verständlich, denn gesellschaftliche Anliegen korrespondieren nicht immer mit den eigenen Interessen.
Bei diesen Landschaftstagen hält der Alltag einmal für kurze Zeit an. Hier kann jeder in Ruhe die Argumente der anderen Seite kennenlernen. Letztendlich sitzen wir alle im gleichen Boot. Jeder von uns, sei er nun eher ein Anhänger der Wirtschaft oder des Naturschutzes, ist auf eine intakte Natur angewiesen.
Selbstverständlich können und wollen wir Natur und Landschaft nicht auf Dauer konservieren. Schließlich hat sich unsere heutige Kulturlandschaft so durch unser Zutun entwickelt. Aber es kommt darauf an, sie in Zukunft so zu gestalten, dass Flora, Fauna und der Mensch dauerhaft miteinander leben können.
Was ist dazu besser geeignet, als ein Gespräch vor Ort! Seit ein großer Teil der Zuständigkeiten im Bereich des Natur- und Umweltschutzes an die Landkreise übergegangen ist, haben Sie hier die besten Voraussetzungen. Sie kennen die Verhältnisse bei Ihnen wie kein anderer.
Außenstehende können nur Unterstützung anbieten und günstige Voraussetzungen schaffen. Lösen lassen sich Dinge jedoch am schnellsten hier im Landkreis mit den Betroffenen.
Meine Damen und Herren,
nehmen wir uns die Zeit zuzuhören, was andere beschäftigt. Das dauert meist etwas länger. Aber es lohnt sich. Es lohnt sich, die Schätze unserer sächsischen Heimat zu bewahren - für uns, für unsere Kinder und Enkelkinder!