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28.09.2020
Bewahren

Der Vogtlandkreis renaturierte auf einer Feuchtwiese der Sächsischen Landesstiftung Natur und Umwelt (LaNU) im Jahr 2018 einen Abschnitt eines kleinen Bergbaches im Oberen Vogtland. Im Rahmen des von Bundesumweltministerium und Bundesforschungsministerium gemeinsam geförderten Projektes ArKoNaVera (www.flussmuscheln.de), das sich den Schutz von Flussmuscheln auf die Fahnen geschrieben hat, wurden auf einer Länge von 150 m Mäander angelegt.


Erste Schritte für neue Mäander


Wo vorher das Wasser durch eine gerade, stark ins Gelände eingetiefte Rinne abfloss, plätschert das Bächlein nun deutlich langsamer. Automatisch werden so weniger Sedimente ausgespült und das Wasser bleibt länger in der Landschaft für Tiere und Pflanzen verfügbar. Dies nützt der stark bedrohten Flussperlmuschel, denn sie braucht gerade in jungen Jahren sehr sauberes Wasser, das nicht durch Feinsedimente belastet ist. Außerdem ist so ein gutes „Nahrungsgewässer“ für die Muschel entstanden: organischer Detritus aus zersetzten Pflanzenteilchen kann nun besser von der Wiese in den Bach gelangen und wird von den Muscheln, die in den Gewässern unterhalb der Bachmündung leben, herausfiltriert und verdaut.  

Doppelt positiv für die Natur ist, dass auf den mittels Bagger neu gestalteten Gewässerrandstreifen der selten gewordene Teufelsabbiss (Succisa pratensis), eine spät blühende Hochstaude ansiedeln konnte. Aktuell blühen diese Pflanzen aus der Familie der Kardengewächse und färben die Wiese in ein wunderschönes Blau. 

Blühender Teufelsabbiss (Succisa pratensis)


Für zahlreiche Schmetterlingsarten sind die Teufelsabbiss-Köpfchen aus bis zu 80 Einzelblüten ein wertvoller Nektarlieferant. Der vom Aussterben bedrohte Goldene Scheckenfalter (Euphydryas aurinia) beispielsweise braucht den Teufelsabbiss im Raupenstadium zwingend als Futterpflanze. Wie die Flussperlmuschel ist der Goldene Scheckenfalter eine bedrohte Art, für die Deutschland international eine besondere Verantwortung trägt. 


Goldener Scheckenfalter (Euphydryas aurinia)


Daher werden auch aktuell die Lebensbedingungen für den Teufelsabbiss und damit den Goldenen Scheckenfalter im Rahmen eines weiteren, unter anderem von den Umweltministerien des Bundes und des Freistaates Sachsen geförderten Projektes im Grenzgebiet Bayern-Sachsen-Tschechien verbessert.

Somit hat die Natur an diesem Bächlein im oberen Vogtland gleich mehrfach gewonnen: An Land sind es der Goldene Scheckenfalter sowie andere Tier- und Pflanzenarten einer Feuchtwiese. Im Wasser sind es die Flussperlmuschel und andere anspruchsvolle Wasserlebewesen. 


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