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30.09.2021
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Die Bergbaufolgelandschaft Bockwitz (Vogelschutz-, FFH- und Naturschutzgebiet) liegt im Südosten von Leipzig und ging aus dem Braunkohletagebau Borna-Ost/Bockwitz hervor. Die naturräumliche Ausstattung zeigt sich heute in einem Komplex von Tagebaurestlöchern, durch Grundwasserwiederanstieg zu Stillgewässern entwickelt, verbindenden Hohlformen, umgebenden Böschungssystemen, ausgedehnten Verlandungsflächen, angrenzend Rohböden, Mager- u. Trockenrasen, Aufforstungen und Gehölzaufwuchs, Hecken und Saumgesellschaften. Der ehemalige Tagebau verfügt damit über eine äußerst spezifische Landschaftsausstattung und bietet damit beste Voraussetzungen für eine ungestörte Entwicklung der Natur sowie günstigste Bedingungen zur Ansiedlung hochspezialisierter Arten.

2003 wurde die Verordnung des Regierungspräsidiums zur Festsetzung des Naturschutzgebiets ´Bockwitz` erlassen. Zu diesem Zeitpunkt war das Gebiet vor allem durch Offenland geprägt, natürliche Bewaldungsprozesse waren erst noch am Beginn. Doch überall, wo menschliches Handeln nicht entgegenwirkt, bieten offene Flächen Nährboden für eben jene Sukzession. Unzählige, an das Offenland gebundene Arten der Flora und Fauna, müssen sich permanent dem Sukzessionsdruck widersetzen, finden oftmals nur genau dort Lebensraum, wo keine Waldentwicklung stattfindet. Unumstritten ist die naturschutzfachliche Bedeutung von genau jenen offenen Bereichen.

Um die zu diesem Zeitpunkt entstandenen, vielfältigen Biotope und Habitate zu erhalten, war es erforderlich, den großflächigen und raschen Sukzessionsprozess im Gebiet, zumindest auf den überwiegenden Teilflächen, möglichst frühzeitig zu unterbinden. Dementsprechend wurden ab 2010 Pachtverträge zwischen der LaNU und Bewirtschaftern unterzeichnet um durch Beweidung mit Großherbivoren (Taurusrinder und Konikpferde) dieses Ziel, durch ganzjährige, extensive Beweidung der Flächen der Verlust offener bis halboffene Habitate im Gebiet zu erreichen. Dadurch entstehen dynamische, mosaikartige und naturnahe Entwicklungsprozesse, die für die Biodiversität förderlich sind.

Die Weideflächen sollen nun großräumig erweitert werden und zwei neue Weidekoppeln mit einer Gesamtfläche von über 100 ha errichtet werden. Für die Umsetzung des Beweidungsmanagements und die naturschutzgerechte Entwicklung des Gebiets, ist die Installation von massiven, sicheren und qualitativ hochwertigen Zaunsystemen von insgesamt fast 9 Kilometern geplant. Auch ein Behandlungsstand und Weideunterstände sollen angeschafft werden, da die Tiere ganzjährig auf den Weide sind und dort wertvolle Landschaftspflege betreiben.

Die Finanzierung der Maßnahmen erfolgt mit Unterstützung aus Mitteln nach der Richtlinie Natürliches Erbe 2014 – 2020 des Entwicklungsprogrammes des ländlichen Raumes (EPLR) aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds.

Neben der Problematik ´Sukzessionsprozesse` kann mit einem solchen Zaunsystem ein weiteres Problem gelöst, zumindest eingeschränkt werden: Im Gebiet ist seit Jahren ein reges Interesse an illegaler Freizeitgestaltung wie Wildcampen, Lagerfeuer veranstalten, Pilze und andere Bestandteile der Schutzgebiete entnehmen, Quadfahren, Befahren mit Motorrädern etc. zu verzeichnen. Stabile Zäune werden dem Vandalismus, zumindest auf den zu schützenden Weideflächen Einhalt gebieten. Die Erfahrung zeigt, dass auf den Flächen, die stabil umzäunt sind, diese Probleme mit fahrlässiger oder mutwilliger Zerstörung nicht in dem Ausmaß bestehen, wie in nicht oder schlecht umzäunten Bereichen. 


Zuständig für die Durchführung der ELER-Förderung im Freistaat Sachsen ist das Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL), Referat Förderstrategie, ELER-Verwaltungsbehörde.

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