Lanu - Normale Ansicht

Biotop Trockenmauern

Trockenmauern zählen zu den besonders geschützten Biotopen (§ 21 SächsNatSchG), weil sie durch ihre kühl-feuchten Hohlräume und ihre warmen Steinaußenseiten zahlreichen Tieren und Pflanzen Lebensraum bieten, z. B. als Verstecke für Laufkäfer und Erdkröten. Wildbienen legen ihre Nester in kleineren Spalten an und wechselwarme Reptilien, z. B. Zauneidechsen, nutzen die besonnten Mauerbereiche, um sich morgens aufzuwärmen. Die Mauerkrone trägt Säume von Kräutern und Moosen, die vor allem auf Felsbändern ihren natürlichen Standort haben.

Funktionsweise am Burgberg

Was steckt dahinter? Als Trockenmauer bezeichnet man ein trocken gesetztes Mauerwerk, das aus Natursteinen ohne Zuhilfenahme von Mörtel zusammengefügt wird und allein durch die Schwerkraft und die mechanische Verbindung der Steine Halt findet. In einem Kubikmeter Mauerwerk werden ca. zwei Tonnen Steine verschiedener Größe und Funktion verbaut.

 

Für den Bau der bis zu acht Meter hohen Trockenmauern auf unserer Projektfläche (1.389 qm aufrechte Ansichtsfläche!) wurde roter Granit aus der Region Mittweida bei Chemnitz verwendet, der ausreichend verwitterungsfest und stabil ist, um nicht zu zerbrechen. Frisch behauen, verfügen die Steine über raue Oberflächen, die sich auch ohne Mörtel miteinander verbinden.

 

Trockenmauern schützen den Steilhang vor Erosion und besitzen eine natürliche Drainagewirkung. Über das Packlager hinter der Trockenmauer versickert der Niederschlag langsam im Bodenraum und wird allmählich vom Wurzelwerk der Pflanzen aufgenommen, Hohlräume zwischen den Steinen nehmen Wasser auf und lassen es bei anhaltendem Niederschlag in den Mauerfugen austreten. Tagsüber erhitzen sich die Steine durch Sonneneinstrahlung, speichern die Wärme und geben sie über den Abend bis in die Nacht wieder ab, was dem Wachstum der Reben besonders im Frühjahr und Herbst zugute kommt.

 

Dieses Mikroklima bietet so auf kleinstem Raum weite Temperatur- und Feuchtigkeitsgradienten, die Tierarten mit beinahe gegensätzlichen oder spezifischen, wechselnden Lebensraumansprüchen gleichermaßen genügen. Nur so ist es zu erklären, dass an Trockenmauern trockenheitsristente Eidechsen, die am Morgen die Energie der Sonne brauchen, um ihren Körper ausreichend zu temperieren, neben Weinbergschnecken vorkommen, die eine hohe Luftfeuchte benötigen.

 

Das Trockenmauerbiotop am Burgberg zählt zu Sekundärbiotopen. Diese Biotope wurden von Menschen künstlich geschaffen. Zudem imitieren sie natürlich über Jahrzehnte und Jahrtausende gewachsene Lebensräume, sogenannte Primärbiotope. Im Fall der Trockenmauern gehören Fels-, Gesteins- und Rohbodenbiotope zu den ursprünglichen natürlichen Biotopen. Natürliche Felsvorsprünge, Geröll und Fugen bieten Lebensräume für Pflanzen und Tiere. Durch die Bauweise und Eigenschaften einer Trockenmauer werden diese Lebensräume widergespiegelt.

Über uns

Bilden, Fördern, Bewahren, Gestalten - gemeinsam für Natur und Umwelt in Sachsen.