Verbundprojekt: Lebensraumschutz für windkraftsensible Waldfledermäuse
Länderübergreifendes Artenhilfsprogramm für einzigartige Flugkünstler
Die Sächsische Landesstiftung Natur und Umwelt (LaNU) engagiert sich seit dem Frühjahr 2026 in einem bundesweiten Verbundprojekt zum Schutz von Waldfledermäusen. Gemeinsam mit neun Partnern aus Naturschutz und Wissenschaft arbeitet die LaNU daran, die Lebensräume dieser faszinierenden Waldbewohner zu bewahren und zu verbessern. Das Projekt wird von 2026 bis 2031 vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) im Rahmen des Nationalen Artenhilfsprogramms (nAHP) gefördert.
Hintergrund des Projektes ist das Ziel der Bundesregierung, den Ausbau der Windenergie an Land auf 115 GW bis zum Jahr 2030 voranzutreiben. Damit ist vermehrt mit dem Bau von Windenergieanlagen in Wäldern zu rechnen. Sowohl der Bau als auch der Betrieb solcher Anlagen kann Waldfledermäuse gefährden, da Lebensräume verloren gehen und einzelne Arten zudem einem erhöhten Schlagrisiko ausgesetzt sind. Ziel ist es daher, die Lebensraumqualität für Fledermäuse in Wäldern bundesweit zu verbessern.
Geschickte Jäger der Nacht auf Lebensraum- und Nahrungssuche
Im Fokus des Projekts stehen die Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus), die Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteinii), die Rauhautfledermaus (Pipistrellus nathusii) und der Kleine Abendsegler (Nyctalus leisleri). Diese vier Arten teilen eine gemeinsame Besonderheit: Sie gelten als typische waldbewohnende Fledermäuse, nutzen Baumhöhlen und Spalten als Quartiere und benötigen insektenreiche Wälder und Waldränder zur Nahrungssuche. Für die vier charismatischen Zielarten sind daher strukturreiche Waldbestände mit hohem Alt- und Totholzanteil besonders wertvoll. Wo sie sich wohlfühlen, finden zahlreiche andere Arten wie beispielsweise höhlenbrütende Vogelarten und totholzbewohnende Käfer ebenfalls günstige Lebensbedingungen. Sie gelten daher als Schirmarten, deren Schutz automatisch vielen anderen Waldorganismen zugute kommt.
Handlungspotenziale in Ostsachsen
Die erfreuliche Nachricht lautet, dass alle vier Fledermausarten in Sachsen vorkommen. Ihr Erhaltungszustand gilt laut aktuellem FFH-Bericht aus dem Jahr 2025 allerdings als unzureichend. Besonders in Ostsachsen liegen bislang nur wenige Nachweise der vier Zielarten vor. Gleichzeitig deuten aktuelle Modellierungen darauf hin, dass in einigen Regionen durchaus Quartierstandorte der Zielarten zu erwarten sind. Das Projekt setzt deshalb in einem ersten Schritt auf eine Nachverdichtung der bisher bekannten Verbreitungsdaten mittels akustischer Erfassung sowie Netzfang und Telemetrie. Auf Grundlage der Erhebungen sollen anschließend Quartierbäume, Habitatbaumgruppen und Jagdgebiete gezielt gesichert und weiterentwickelt werden. Ziel ist es, wertvolle Strukturen im Wald langfristig zu erhalten und dort zu stärken, wo Fledermäuse sie tatsächlich nutzen.
Projektziel: Flächig & nachhaltig, Forstwirtschaft und Artenschutz
Der Staatsbetrieb Sachsenforst setzt bereits erfolgreich Maßnahmen zum Schutz von Waldfledermäusen um. Im Rahmen eines Naturschutzprogramms wurden inzwischen etwa 10 Prozent der Staatswaldflächen dauerhaft aus der Nutzung genommen. Diese Naturwaldflächen bieten Waldfledermäusen einen wertvollen Rückzugsraum. Da der Staatsbetrieb jedoch nur einen Teil der sächsischen Waldflächen bewirtschaftet, ist eine breite Zusammenarbeit essentiell. Das Projekt sieht daher weitere Kooperationen mit Kommunen, Kirchenorganisationen und privaten Waldbesitzenden vor.
Im Dialog mit Waldbesitzenden wird angestrebt, Lösungen zu finden, die Naturschutz und Forstwirtschaft miteinander vereinen. Schulungen, Exkursionen, Fachtagungen sowie praxisnahe Arbeitshilfen sollen den Schutz von Fledermäusen in die Fläche tragen und zu einer gängigen Praxis machen. Ziel ist zudem der Aufbau eines Netzwerks aus Naturschutz, Forstwirtschaft und Wissenschaft, welches die Grundlage für langfristige Zusammenarbeit auch über die Projektlaufzeit hinaus schafft.
Zusammenfassung der Projektziele in Sachsen
Erfassung von Quartieren und weiteren Lebensräumen der Zielarten durch Recherche und Felduntersuchungen
Umsetzung von Good-Practice Maßnahmen zum Lebensraumschutz der Zielarten in unterschiedlichen Waldeigentumsformen
Durchführung von Informations- und Fortbildungsveranstaltungen für Waldbesitzende und Waldbewirtschaftende
Aufbau eines Netzwerks zur Verstetigung von Schutzmaßnahmen auch über das Projektende hinaus
Steckbriefe der Zielarten
Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteinii) - Steckbrief BfN
Kleiner Abendsegler (Nyctalus leisleri) - Steckbrief BfN
Galerie
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