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Sukzessionsfläche im Steilhang mit geschütztem Glaskraut

Sukzessionsflächen sind im engeren Sinne keine Biotope. Die Flächen zeichnen sich durch eine Abfolge von Pflanzen-, Tier- oder Pilzgesellschaften aus. Vereinfacht gesagt entstehen solche Flächen dort, wo der Mensch sie sich selbst überlässt und keine Eingriffe vorgenommen werden. So können sich sukzessiv verschiedene Arten auf den Flächen ansiedeln und verschiedene Lebensgemeinschaften entstehen.

Funktionsweise am Burberg

Die südliche Seite des Burgbergs Meißen wurde bereits in der Vergangenheit als Terrassenweinberg genutzt. Da der Bedarf an Anbauflächen für Wein aber auch die allgemeine Nahrungsmittelversorgung an dieser Stelle nicht mehr bestand, wurde diese Fläche nicht mehr gepflegt und verbuschte so zunehmend.

 

Vor der Rekonstruktion des Weinberges wurden zunächst Untersuchungsarbeiten durchgeführt. Es wurde dabei unter anderem geprüft, welche Tier- und Pflanzenarten sich auf dem Burgberg seither angesiedelt hatten. Eine Besonderheit ist hier das Auffinden des seltenen und vom Aussterben bedrohten Aufrechten Glaskrauts westlich des Aufenthaltsplatzes, welches in Deutschland auf der Roten Liste steht. Zusätzlich wurden Bodenproben genommen, um die Beschaffenheit des gewachsenen Bodens zu untersuchen. Hierbei wurden verschiedene Diasporen, also keimungsfähige pflanzliche Ausbreitungseinheiten wie Früchte, Samen, Sporen, Sprossteile oder Rhizome gefunden.

 

Insbesondere die Fläche westlich des Aufenthaltsplatzes, ein unberührter halbschattiger Standort, sollte als Sukzessionsfläche (119 qm) in seiner gewachsenen Art weitestgehend erhalten bleiben. Die Gründe dafür waren vielfältig. Zum einen ist dieser Bereich des Burgberges schwer zugänglich und so nicht für die Bewirtschaftung mit Wein geeignet, zum anderen stand der Schutz der bedrohten Arten im Vordergrund. Außerdem wird die Fläche als Potenzial erachtet, da sie zur Biotopvielfalt unseres Weinberges beiträgt und einen weiteren Austausch der Tier- und Pflanzenwelt zwischen den verschiedenen Bereichen am Burgberg ermöglicht.

 

Um nun dort die Keimung der Diasporen und die Entwicklung einer mehrstufigen Vegetationsgesellschaft zu unterstützen, wurden einmalig Pflegemaßnahmen, zum Beispiel die Entbuschung des Standortes, durchgeführt. Auf diesem Steilhang befinden sich nun vorrangig einheimische Gehölze, Waldreben sowie Gebüsche frischer Standorte mit örtlichen Übergängen zu Trockengebüschen aber auch Gräser und Kräuter.

 

Zur Unterstützung der Lebensgemeinschaften entsteht am unteren Bereich dieser Sukzessionsfläche ein Lesesteinhaufen. Diese Haufen bilden sich durch das Ablesen der Steine aus den Rebzeilen und Rebgassen. Der Winzer lagert sie oftmals außerhalb der Rebfläche auf den sogenannten Lesesteinhaufen am Rande des Weinberges. Diese Haufen bieten, ähnlich den Bedingungen in einer Trockenmauer, auf kleinstem Raum sehr unterschiedliche Mikroklimate. Die Oberfläche ist überwiegend trocken-warm, während in den Hohlräumen eher gleichmäßig temperierte, feuchtere Bedingungen herrschen. So kann eine Vielzahl unterschiedlicher Mikrolebensräume geboten werden.

 

Einen weiteren Faktor für Stärkung der Lebensgemeinschaften spielen die neben den im unteren Hangbereich angepflanzten Baum- und Straucharten der Trockengebüsche, wie Wildobst-Arten (Holzapfel, Holzbirne, Vogelkirsche) oder Echter Kreuzdorn.

 

Im Gegensatz zu der Sukzessionsfläche, die keiner weiteren Pflegemaßnahmen bedarf, da sie sich selbstständig weiterentwickeln soll, werden die anderen hier genannten Bereiche, die an die Sukzessionsfläche angrenzen, 2-mal jährlich im Rahmen eines Pflegeplanes gepflegt.

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Detailplan Naturschutz und Umweltbildung

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